Hey ihr Lieben,
durch die Unterhaltung in Warum bloggt ihr? kam ich gerade auf dieses Thema: Privates und Persönliches im Blog, und wie das Umfeld damit umgeht.
Es heißt ja allenthalben, dass man im Blog doch möglichst viel Persönliches zeigen solle. Um "authentisch" (dieses Wort darf echt bei keinem Blogger-Bullshit-Bingo fehlen
) rüberzukommen, sich nahbar und menschlich zu zeigen und weil ein guter Blog mehr ist als eine Sammlung von Inhalten, die so auch ChatGPT hinbekommen hätte.
Dem stimme ich tatsächlich auch zu... starke Texte haben für mich immer etwas mit Persönlichkeit zu tun und mit einer emotionalen Verbindung zwischen dem, der schreibt, und dem, der liest. Ich erfahre gern etwas über den Menschen hinter einem Blog, über seine Gedanken, Gefühle und Herausforderungen. Und ich lese viel lieber Blogs, in denen es "menschelt", als digitale Hochglanzmagazine. Die finde ich einfach deutlich sympathischer.
In meinen eigenen Blogs erfährt man auch einiges über mich. Ich poste Fotos vom Garten und vom Haus, was für Ausflüge ich unternehme, welche Bücher ich lese, und und und.
Ich unterscheide da allerdings zwischen Persönlichem und Privatem.
Was ich an Persönlichem ins Internet packe, überlege ich mir natürlich auch. Aber Privates landet da gar nicht, eben weil es Privatsache ist.
Die Definition, was persönlich ist und was privat, kann bei jedem anders aussehen und sich auch verändern, das stelle ich bei mir selber fest.
Gaaaanz früher hatte ich mal einen passwortgeschützten Bereich für wirklich private Dinge, die nur ausgewählte Menschen lesen durften. Das würde ich heute so nicht mehr machen - diese Dinge stelle ich gar nicht mehr ins Internet. Persönliche Inhalte hingegen schon:
Beispielsweise blogge ich auf Lieblingsalltag immer mal wieder über die Multiple Sklerose. Gesundheitsthemen sind ja per se schon sehr persönlich, und bei einer unheilbaren Autoimmunkrankheit mit nicht ganz so berauschenden Aussichten überlegt man es sich dreimal, ob davon Hinz und Kunz inklusive potentieller Arbeitgeber erfahren sollten.
Direkt nach der Diagnose bin ich damit sehr offen umgegangen, einfach weil ich nicht etwas verstecken und verheimlichen wollte, wofür ich nichts kann, und weil ich es wichtig finde, Krankheiten zu adressieren und nicht zu stigmatisieren. Damals hat man mir die MS nach außen hin nicht angesehen. Es folgte eine Phase, in der ich die MS total geleugnet habe - da habe ich dann auch die alten Beiträge offline genommen und vor mir und allen anderen so getan, als sei alles in Butter. Spoiler: funktioniert nicht. Seit ein paar Jahren sind die Artikel alle wieder online und ich gehe wieder offen mit der MS um. Im Leben 1.0 fällt die MS mittlerweile eh auf, und wenn da jemand fragt, antworte ich offen. Das macht es übrigens auch für mich entspannter. Daher ist das für mich etwas Persönliches, aber nichts Privates.
Klar, das geht teilweise auch einfach fließend ineinander über.
Beispielsweise tauchte mein Mann jahrelang regelmäßig als "der Beste" im Blog auf - sei es beim Hausbau, bei Berichten von Ausflügen, den Beiträgen über unsere Hochzeit, und und und. Letztes Jahr haben wir uns nun getrennt. Es fühlte sich für mich nicht richtig an, das gar nicht im Blog zu erwähnen. Gleichzeitig ist es aber auch ein sehr privates Thema und betrifft eben nicht nur mich, sondern auch meinen Mann - und es gibt nach all den Jahren viele gemeinsame Bekannte und auch Arbeitskollegen, die bei mir mitlesen.
Ich habe etliche Monate überlegt, wie ich damit umgehe. Letzten Endes habe ich der Trennung dann tatsächlich einen Beitrag gewidmet, allerdings ohne ins Detail zu gehen, was die Gründe betrifft. Die gehen nur meinen Mann und mich etwas an. Er hat den Artikel auch gelesen und meinte selber, dass ich da ja schon nur recht vage drüber schreibe - aber genau das fühlt sich für mich richtig an. Die Trennung selber ist offensichtlich, da kann ich das im Blog genauso erwähnen wie im Leben 1.0 - aber inhaltlich erwähne ich nur den persönlichen Teil, nicht den privaten.
Daher ist es für mich auch okay, wenn Bekannte, Familie, Nachbarn und so weiter bei mir im Blog mitlesen.
Wie geht ihr damit um?